Daten, Fakten, Historisches zum 190er

Die Baureihe 201 (1982-1993)

 

Der „Baby-Benz“: Die Baureihe 201 (1982 bis 1993)

Der Typ 190 wirkt bei seiner Vorstellung im Dezember 1982 nicht wie ein Revolutionär. Doch die Mittelklasse-Limousine, von Mercedes-Benz intern als „Kompaktklasse“ unterhalb von E-, S- und SL-Klasse angeordnet, ist ein Markstein für die künftige Entwicklung der Stuttgarter Modellpalette. Ihre Linien sind so streng und klar gezeichnet wie der Anspruch an die Zukunft: Hier steht ein echter Mercedes-Benz, der die Luft des Fortschritts atmet und den Schritt in eine neue Fahrzeugkategorie unternimmt.

Klare Keilform mit feinen Lichtkanten: Die Baureihe versteckt sich nicht, sondern zeigt stolz ihr neues Gesicht in der Mercedes-Familie. Verantwortlich für das frische, geradlinige Design zeichnet Bruno Sacco. Der W 201 tritt zunächst mit den Typen 190 und 190 E an. Er wird schnell zum Erfolg und Vorbild gleichermaßen. Denn aus dem 190er entwickeln sich nicht nur die nächsten Generationen der C-Klasse. Sondern die freundschaftlich „Baby-Benz“ gerufene Limousine steht auch am Anfang der Modelloffensive von Mercedes-Benz.

Die Mercedes-Benz Kompaktklasse, die erst von der Folgebaureihe W 202 an im Rahmen der dann üblichen Nomenklatur C-Klasse heißen wird, orientiert sich in Sachen Fahrverhalten, passiver Sicherheit und Zuverlässigkeit kompromisslos an den Tugenden ihrer größeren Verwandten. Zugleich bringt der neue Mercedes-Benz bei kompakteren Maßen ein geringeres Gewicht auf die Straße und zeigt eine große Wirtschaftlichkeit.

Um den Verbrauch konsequent zu senken, setzen die Mercedes-Ingenieure einerseits auf eine aerodynamische Optimierung der Karosserie. Andererseits werden hochfeste Stahlbleche und andere innovative Materialien verwendet, die das Gewicht des Fahrzeugs reduzieren. Der Typ 190 bringt schließlich nur 1180 Kilogramm auf die Waage, ohne Abstriche bei der passiven Sicherheit zu machen. Dafür, dass die Modelle der neuen Baureihe den Limousinen der S-Klasse bei der passiven Sicherheit nahezu ebenbürtig sind, sorgt unter anderem die Gabelträgerstruktur des Vorderwagens. Diese Konstruktion stammt aus der S-Klasse der Baureihe 126. Sie sorgt nun dafür, dass auch der Typ 190 das Kriterium des asymmetrischen Frontalaufpralls mit 40 Prozent Überdeckung bei 55 km/h erfüllt.

 

Die Raumlenker-Hinterachse setzt Maßstäbe

Das Fahrwerk des Typs 190 ist dagegen eigens für den neuen Mercedes-Benz entwickelt worden und erweist sich als umwälzende Neuerung. Sein Kernstück ist die Raumlenker-Hinterachse. In dieser Konstruktion wird jedes Hinterrad von fünf unabhängigen Lenkern geführt, was für eine optimal kontrollierte Radführung sorgt, die Seiten- und Längskräfte in allen Fahrzuständen weitgehend ausgleicht. Das vermeidet unerwünschte Lenkbewegungen des Rades und sorgt damit für ein sehr ausgeglichenes Fahrverhalten. Gegenüber älteren Hinterachsvarianten überzeugt die innovative Raumlenker-Lösung zudem mit einem niedrigen Gewicht und einem geringen Raumbedarf. Als Pendant dieser Hinterachse arbeitet vorn eine an einzelnen Dreiecks-Querlenkern geführte Dämpferbein-Vorderachse mit Bremsnick-Abstützung. Sie garantiert den guten Geradeauslauf des W 201 und schafft aufgrund einer geringen Bauhöhe viel Platz unter der Motorhaube.
Während das hochmoderne Fahrwerk sich erst auf der Straße bemerkbar macht, fällt jedem Mercedes-Fahrer noch vor dem Motorstart eine Änderung gegenüber S-Klasse und mittlerer Baureihe auf: Der 190er hat keine Feststellbremse im Fußraum mehr, wie alle seit 1968 vorgestellten Stuttgarter Personenwagen-Modelle. Vielmehr wird die Baureihe W 201 mit einer üblichen Handbremse arretiert, deren Hebel zwischen den Vordersitzen liegt. Die Ingenieure entscheiden sich zum einen aus Platzgründen im Fußraum für diese Lösung, außerdem ist für die Kompaktklasse aufgrund ihres geringeren Gewichts ein geringeres Anzugmoment notwendig.

Gebaut wird der Typ 190 in Sindelfingen und Bremen. Die Produktion beginnt zunächst im süddeutschen Werk. Fast ein Jahr nach dem Verkaufsstart der Limousine rollt schließlich im November 1983 auch das Band im Werk Bremen an. Ein umfangreicher und teurer Umbau hat die Anlage fit gemacht für die Produktion der Mercedes-Benz Kompaktklasse. Seit Anfang 1978 werden hier bereits die T-Modelle der mittleren Baureihe (S 123) gefertigt.

Die Herstellung der neuen Kompaktklasse verläuft als Produktionsverbund zwischen beiden Standorten, der erstmals in der Geschichte des Unternehmens in diesem Umfang praktiziert wird. Typisch für diese Zusammenarbeit über mehrere hundert Kilometer hinweg ist der Austausch von Karosserie-Komponenten. So stellt Bremen Motorhauben, Bodenanlagen, Kraftstoffbehälter und Türen her, aus Sindelfingen kommen alle übrigen Blechteile. Diese Elemente tauschen die Werke untereinander aus, zusätzlich erhalten beide Standort aus Untertürkheim Motoren, Getriebe und Achsen sowie Lenkgetriebe aus Düsseldorf.

 

Start mit den Typen 190 und 190 E

Mercedes-Benz geht 1982 zunächst mit den Typen 190 und 190 E an den Start, 190 D und 190 E 2.3-16 erweitern 1983 sowie 1984 die Modellpalette. Die beiden Premieren-Benziner sind mit Vierzylinder-Motoren von 1997 Kubikzentimeter Hubraum ausgerüstet, die 90 PS (66 kW) sowie 122 PS (90 kW) leisten. Die Triebwerke aus der Motorenfamilie M 102 sind vom Aggregat des Mercedes-Benz 200 (W 123) abgeleitet. Dessen 1980 vorgestellter Motor wird für den Typ 190 durch Verkleinerung der Ein- und Auslasskanäle und den Einbau einer geänderten Nockenwelle sowie kleinerer Ventile von 109 PS (80 kW) auf nunmehr 90 PS (66 kW) gedrosselt. Deutlich kräftiger fällt der Antrieb des 190 E aus, der dank Benzineinspritzung 122 PS (90 kW) erreicht. Erstmals setzen die Mercedes-Benz Ingenieure hier die mechanisch-elektronisch gesteuerte Einspritzanlage Bosch KE-Jetronic ein. Damit spurtet der kompakte 190 E immerhin bis auf 195 km/h und zeigt „Temperament auf Mercedes-Niveau“, so beschreibt 1982 der Katalog.

Ein Jahr später begeistert der 190 D durch einen vollkommen neu entwickelten Vierzylinder-Dieselmotor mit 1997 Kubikzentimeter Hubraum. Vor allem seine vorbildliche Kapselung macht dieses Aggregat zum Wegbereiter moderner Dieseltechnologie in den Personenwagen von Mercedes-Benz: Der sogenannte „Flüsterdiesel“ ist weniger als halb so laut wie vergleichbare Antriebe. Zusammen mit einer respektablen Leistung von 72 PS (53 kW) und einem wirtschaftlichen Kraftstoffverbrauch zeigt sich der neue Diesel als rundum gelungene Innovation, die große Nachfrage erzeugt: In zehn Jahren Bauzeit entstehen insgesamt 452 806 Exemplare des 190 D.

Vom vernünftigen Diesel unterscheidet sich 1984 der 190 E 2.3-16 als neues Spitzenmodell der Baureihe schon äußerlich. Hier kommt ein kompakter Sportler, das macht unter anderem der Flügelspoiler auf dem Heck unmissverständlich klar. Wieder haben die Ingenieure für den Motor in das Arsenal der Baureihe W 123 gegriffen. Der Vierzylinder-Motor mit 2299 Kubikzentimeter Hubraum erhält im 190 E 2.3-16 einen neu konstruierten Zylinderkopf mit jeweils zwei Ein- und Auslassventilen. Diese und weitere Optimierungen steigern die Leistung der Maschine von 136 PS (100 kW) auf 185 PS (136 kW) und lassen den Wagen in 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h spurten. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h.

 

Quelle: Daimler Chrysler Media/Daimler Media

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